TalentOrbit Klinik-Recruiting-Check

Die Frage, wann eine Klinik in Deutschland ohne internationale Pflegefachkräfte nicht mehr auskommt, ist keine rhetorische mehr. 94 Prozent der Häuser können offene Stellen auf Allgemeinstationen aus dem inländischen Arbeitsmarkt nicht mehr besetzen. Bis 2035 gehen 380.000 Pflegekräfte altersbedingt, auf 100 offene Stellen kommen 55 arbeitslose Fachkräfte. Dazu eine Ausbildung mit Abbrecherquoten bis 41 Prozent. Wer heute noch glaubt, das Problem löse sich im nächsten Tarifabschluss, hat die Zahlen nicht gelesen.

Die eigentliche Frage lautet deshalb: Ist Ihr Haus bereit, internationale Pflegekräfte aufzunehmen? Nicht in fünf Jahren, sondern in den nächsten zwölf Monaten. Und wenn nicht – was fehlt konkret?

Dieser Artikel ist keine Checkliste zum Abhaken und kein Fragebogen. Er ist eine Auseinandersetzung mit den fünf Bereichen, die in der Praxis darüber entscheiden, ob internationale Rekrutierung gelingt oder scheitert. Wer sich die nächsten zehn Minuten Zeit nimmt und ehrlich mitdenkt, hat am Ende eine klarere Einschätzung der eigenen Lage – unabhängig davon, ob der Weg danach über TalentOrbit führt oder über einen anderen Partner.

Warum scheitert internationale Rekrutierung – wenn sie scheitert?

Die ehrliche Antwort ist: selten am Geld. Wer die Investition von 15.000 bis 30.000 Euro pro Fachkraft einmal gegen die jährlichen Vakanzkosten einer unbesetzten Stelle gerechnet hat – 66.000 bis 96.000 Euro, je nach Berechnungsmethode –, versteht, dass die Mathematik eindeutig ist. Direktvermittlung amortisiert sich typischerweise innerhalb des ersten Jahres. Das ist kein Grenzfall, das ist ein Selbstläufer, zumindest auf dem Papier.

Gescheitert wird an anderen Dingen. An einer Fachkraft aus Manila, die nach zwei Monaten im Wohnheim der Klinik sitzt, weil niemand ihr eine dauerhafte Wohnung organisiert hat. An einem Stammteam, das die internationalen Kollegen als Konkurrenz empfindet, weil niemand vorher mit ihm gesprochen hat. An einem Geschäftsführer, der die Leiharbeitskosten des laufenden Jahres nicht beziffern kann und deshalb das Investitionsargument nicht versteht. An einer Anerkennungsphase, die zwölf Monate dauert und die Station nicht eingeplant hat.

Die Bereitschaft eines Hauses lässt sich entlang von fünf Dimensionen beurteilen. Keine dieser Dimensionen steht für sich allein. Aber jede einzelne kann ein Projekt kippen, wenn sie ignoriert wird.

Erste Dimension: Wie groß ist das Problem wirklich?

Eine Klinik mit zwei offenen Stellen hat ein Recruiting-Problem. Eine Klinik mit fünfzehn Prozent Vakanzquote und gesperrten Betten hat ein strategisches Problem. Das ist keine Spielerei mit Adjektiven – es ist die Grundlage für die Frage, welches Instrument überhaupt angemessen ist.

Internationale Direktvermittlung lohnt sich wirtschaftlich erst ab einer gewissen Schmerzgrenze. Die Vorlaufzeit beträgt acht bis vierzehn Monate. Die Investition liegt im fünfstelligen Bereich pro Fachkraft. Wer gelegentlich eine Stelle nachbesetzen muss, greift weiter zu klassischen Rekrutierungswegen – Stellenanzeigen, regionale Kooperationen, Headhunter. Das ist keine Abwertung der internationalen Rekrutierung, sondern die nüchterne Einordnung: Sie ist kein Werkzeug für Einzelfälle.

Umgekehrt gilt: Wer wartet, bis die Lage wirklich kritisch ist, hat die Vorlaufzeit nicht mehr. Eine Klinik, die heute zwanzig Prozent Vakanzquote beklagt, hätte vor einem Jahr mit der strukturellen Vorbereitung beginnen müssen. Die zweite entscheidende Kennzahl ist deshalb nicht nur die aktuelle Quote, sondern die Besetzungsdauer. Wer eine offene Pflegestelle im Schnitt zwischen sechs und zwölf Monaten nicht besetzt bekommt, hat einen regionalen Arbeitsmarkt, der erschöpft ist. Internationale Rekrutierung ist dann – trotz Vorlaufzeit von rund einem Jahr – nicht der langsamere, sondern der schnellere Weg.

Zweite Dimension: Wie teuer ist der Status quo?

Leiharbeit war als Instrument für akute Engpässe gedacht. Einzelne Krankheitsausfälle, saisonale Schwankungen, Urlaubslücken – dafür funktioniert sie. Sobald sie zum Dauerbetrieb wird, kippt die Rechnung. Das Deutsche Krankenhausinstitut hat die Mehrkosten gegenüber der Festanstellung mit 92 Prozent beziffert. Wer fünfzehn Prozent seiner Pflegebelegschaft dauerhaft aus der Zeitarbeit zieht, zahlt für diesen Anteil nahezu den doppelten Tarif.

Seit dem Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz 2023 sind diese Mehrkosten in der stationären Langzeitpflege nicht mehr über Pflegesatzverhandlungen refinanzierbar. Für viele Träger ist das der Punkt, an dem Leiharbeit vom Flexibilitätsinstrument zur Bilanzbelastung wird. Krankenhäuser stehen ökonomisch anders da, aber auch dort belastet die 92-Prozent-Quote die Kalkulation – besonders vor dem Hintergrund der kommenden Krankenhausreform 2027/2028, die Personalstabilität über die Finanzierung belohnen wird.

Hinzu kommt eine einfache, aber bemerkenswert oft übersehene Frage: Kennt die Geschäftsführung überhaupt die jährlichen Gesamtkosten der Leiharbeit? In vielen Häusern sind diese Kosten über Stations-, Bereichs- und Notfall-Budgets verstreut. Niemand sieht die Gesamtsumme. Wer sie zum ersten Mal aufaddiert, erlebt häufig eine Überraschung – und plötzlich sieht die Investition in Direktvermittlung anders aus. Ohne diese Zahl fehlt das Argument, das die interne Entscheidung trägt.

Dritte Dimension: Ist das Haus aufnahmefähig?

Hier wird es unangenehm. Eine Pflegefachkraft, die aus Manila, aus Bangalore oder aus Tirana nach Deutschland kommt, bringt eine qualifizierte Ausbildung mit, Motivation und häufig mehr Berufserfahrung aus modernen Kliniken, als dem Stammteam bewusst ist. Was sie nicht mitbringt: ein soziales Netz, Kenntnis der deutschen Bürokratie, die Fähigkeit, am ersten Tag allein eine Wohnung zu finden. Und häufig auch nicht: die emotionale Reserve, mit einem Team zurechtzukommen, das sie skeptisch empfängt.

Integration ist kein Bonus, den man nach der Vermittlung dazubucht. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass die Vermittlung funktioniert. Das klingt selbstverständlich und wird trotzdem regelmäßig ignoriert – weil Integration Geld und Aufmerksamkeit kostet, die sich nicht direkt in Bettenbelegung übersetzen lassen.

Die entscheidende Unterscheidung ist nicht, ob ein Haus Integrationsstrukturen hat, sondern in welcher Form. Ein benannter Integrationskoordinator mit einem klar definierten Stundenbudget ist das Minimum. „Die Stationsleitung macht das nebenbei“ ist ein Warnsignal, auch wenn es gut gemeint ist – Stationsleitungen haben weder die Zeit noch das spezifische Wissen, um Anerkennungsprozesse zu steuern, Behördenkontakte zu pflegen und kulturelle Konflikte im Team aufzulösen. Ein Haus ohne jede Erfahrung kann diese Strukturen in vier bis acht Wochen aufbauen. Aber es muss den Willen dazu haben, bevor der erste Vertrag mit einer Agentur unterschrieben wird.

Wer ohne Integrationskonzept rekrutiert, verbrennt zwei Dinge gleichzeitig: Geld und Vertrauen. Geld, weil die Vermittlungskosten verloren sind, wenn die Fachkraft nach sechs Monaten wieder geht. Vertrauen, weil es sich in der internationalen Pflege-Community herumspricht, welche Häuser taugen und welche nicht. Wer einmal mit dem Ruf „verbrennt Personal“ herauskommt, schließt sich den Zugang zum besten Teil des Bewerbermarkts selbst.

Vierte Dimension: Die unterschätzten Praxisdinge

Drei praktische Fragen entscheiden häufig über den Erfolg eines Projekts – und werden in der Planung regelmäßig unterschätzt.

Wohnraum. In München, Frankfurt oder Hamburg ist Wohnraum für eine internationale Fachkraft mit sechsmonatigem Aufenthaltstitel und ohne deutsche Bonität ein echtes Hindernis. Kliniken mit eigenen Wohnungen, Trägerwohnungen oder Kooperationen mit kommunalen Wohnbaugesellschaften haben einen substanziellen Vorteil – nicht nur gegenüber anderen Rekrutierungsmodellen, sondern auch gegenüber Wettbewerbern, die um dieselben Fachkräfte werben. Wer den lokalen Wohnungsmarkt selbst bestehen muss, sollte früh mit der Sondierung beginnen: Genossenschaften, WG-Vermittlungen, eigene Immobilien im Bestand des Trägers. Die Wohnungsfrage erst anzugehen, wenn die Fachkraft schon im Flieger sitzt, ist der häufigste vermeidbare Fehler.

Anerkennungsphase. Internationale Pflegefachkräfte arbeiten während der Berufsanerkennung in der Regel sechs bis zwölf Monate als Pflegehilfskräfte. In dieser Zeit verdienen sie weniger, dürfen nicht alle Tätigkeiten ausüben und brauchen fachliche Anleitung. Das ist keine Nebensache, sondern bestimmt, wie das Haus die Einsatzplanung gestalten muss. Wer diese Phase als Investition versteht – strukturierte Einarbeitung, klare Kompetenzerweiterung, regelmäßige Fachgespräche –, bekommt im zweiten Jahr voll einsetzbare Kollegen. Wer die Anerkennungsphase als Zumutung empfindet oder sofort voll anerkannte Fachkräfte verlangt, sollte mit internationaler Rekrutierung warten, bis sich die Haltung ändert.

Einsatzplanung. In welchen Fachbereichen wird Personal gebraucht? Welche Gruppengrößen sind realistisch? Wann sollen die ersten Kolleginnen und Kollegen auf Station sein? Je präziser die Antworten, desto gezielter kann eine Vermittlungsagentur rekrutieren – und desto kürzer werden die Schleifen im Matching-Prozess. Häuser, die nach fünf bis zehn Pflegekräften irgendwann suchen, bekommen andere Ergebnisse als Häuser, die drei OTA für den Zentral-OP bis Ende Q3 definiert haben.

Fünfte Dimension: Die Investitionslogik verstehen

15.000 bis 30.000 Euro pro Fachkraft. Das klingt nach viel, wenn man es isoliert betrachtet. Die Zahl verliert ihre Wirkung, sobald sie neben die Alternative gestellt wird. Eine unbesetzte Pflegestelle kostet, je nach Berechnungsmethode, 66.000 bis 96.000 Euro pro Jahr – an Produktivitätsverlust, Mehrbelastung des Stammpersonals, entgangenen Einnahmen. Das ist mehr als die dreifache Direktvermittlungsinvestition. Und die Festanstellung beginnt nach der Anerkennung: Ab dann zahlt der Träger Tariflohn, nicht mehr Direktvermittlungsgebühren.

Die Kernfrage ist also selten, ob ein Haus die Investition aufbringen kann. Die Kernfrage ist, ob die Entscheidungsträger verstanden haben, dass Nicht-Handeln teurer ist als Handeln. Und hier liegt der eigentliche Engpass in vielen Häusern: nicht das Budget, sondern die Datengrundlage. Haben Sie Ihre Vakanzkosten – Cost of Vacancy – jemals für Ihr Haus berechnet?

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Antwort „Nein“ lautet, ist hoch. Das ist keine Schwäche Ihres Hauses – es ist der Branchenstandard. Die wenigsten Kliniken haben diese Zahl präsent. Wer sie hat, führt die Diskussion auf einem anderen Niveau. Der Artikel über die unsichtbaren Kosten leerer Pflegestellen führt durch die Formel und ein Rechenbeispiel; wer sie einmal auf das eigene Haus angewendet hat, wird die Budgetdiskussion in der Geschäftsführung nie wieder gleich führen.

Vier typische Ausgangslagen – und was aus ihnen folgt

Jedes Haus hat seine eigene Mischung aus Antworten auf diese fünf Dimensionen. In der Praxis lassen sich die meisten Konstellationen einer von vier typischen Ausgangslagen zuordnen. Keine davon heißt „hoffnungslos“ – aber jede verlangt einen anderen nächsten Schritt.

Bereit: Das Haus kann starten

Das beschreibt Häuser mit überschaubarer Vakanzquote, belastbarer Kostentransparenz, bestehenden Integrationsstrukturen und klarer finanzieller Bereitschaft. Häufig sind es Träger, die bereits erste internationale Fachkräfte im Haus haben – vielleicht nicht in großer Zahl, aber mit gemachten Erfahrungen. Die strukturellen Fragen sind beantwortet, die Geschäftsführung ist im Bild, das Budget steht.

Wer hier steht, hat einen Vorteil, den viele Wettbewerber nicht haben: Zeit. Sie können die Agentur sorgfältig auswählen, das Bedarfsprofil präzise formulieren, den Zeitplan realistisch setzen. Sie rekrutieren nicht unter Druck. Das schlägt sich in der Qualität des Matchings nieder – und im Ergebnis in der Bleibequote der Fachkräfte. Der nächste Schritt ist operativ: Agentur-Shortlist erstellen, Bedarfsprofil definieren, internes Kick-off mit Pflegedienstleitung und kaufmännischer Leitung. Die sieben Prüffragen für die Agentur-Auswahl sind dabei nützlich – sie grenzen das Feld schnell auf zwei bis drei ernsthafte Partner ein.

Fast bereit: Die Grundlage stimmt, einzelne Bausteine fehlen

Das ist die häufigste Ausgangslage in der deutschen Klinik-Landschaft. Die Personalsituation ist spürbar, aber beherrschbar. Die Geschäftsführung hat sich mit dem Thema beschäftigt, aber noch keine klare Entscheidung getroffen. Integrationsstrukturen gibt es in Ansätzen – meist informell, über engagierte Einzelpersonen. Das Budget müsste freigegeben werden, ist aber nicht grundsätzlich blockiert.

Häuser in dieser Lage brauchen keine Grundsatzdebatte mehr, sondern gezielte Vorbereitung. Die Frage ist nicht „Ob“, sondern „Was zuerst“. Typischerweise sind es drei Punkte: die Vakanzkosten berechnen (für das interne Investitionsargument), ein belastbares Integrationskonzept skizzieren (auch wenn es noch nicht ausgearbeitet ist) und ein unverbindliches Erstgespräch mit einer spezialisierten Agentur führen (um Zeitrahmen und realistische Kosten einzuschätzen). Mit gezielter Vorbereitung sind vier bis acht Wochen ein realistischer Rahmen, um in die aktive Rekrutierungsphase einzusteigen.

Handlungsbedarf: Die Lage drängt, die Strukturen müssen parallel entstehen

Hier wird die Zeit knapp. Die Vakanzquote ist erheblich, die Leiharbeitsabhängigkeit möglicherweise strukturell, einzelne Stationsbereiche arbeiten bereits eingeschränkt. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen für internationale Rekrutierung nur in Teilen vorhanden – Integrationsstrukturen fehlen, die Kostentransparenz ist begrenzt, das interne Alignment zwischen Pflegedienstleitung und kaufmännischer Leitung ist noch nicht hergestellt.

In dieser Lage ist internationale Rekrutierung nicht nur sinnvoll – sie ist wirtschaftlich vermutlich die einzige nachhaltige Option. Aber sie lässt sich nicht sequentiell aufbauen. „Erst alle Strukturen schaffen, dann rekrutieren“ dauert zu lange. Der einzig tragfähige Weg ist parallele Arbeit: Vakanzkosten transparent machen und gleichzeitig das erste Agentur-Beratungsgespräch führen; Integrationsstrukturen skizzieren und gleichzeitig das Kombinationsmodell prüfen (Leiharbeit als kurzfristige Überbrückung, Direktvermittlung für den strukturellen Aufbau).

Der entscheidende Schritt ist dabei politisch, nicht operativ: Internationale Rekrutierung ist bei dieser Ausgangslage kein HR-Projekt mehr. Sie ist ein strategisches Thema und braucht eine strategische Freigabe auf Geschäftsführungsebene – mit klaren Zielen, Budgets und Verantwortlichkeiten. Wer das versäumt, landet in der klassischen Falle: Die Personalleitung kämpft gegen Widerstände, die Entscheidungen werden verzögert, die Zeit verstreicht.

Grundlagenarbeit: Erst das Fundament, dann das Haus

Die Lage ist ernst. Bettensperrungen oder OP-Ausfälle sind wahrscheinlich bereits Realität. Gleichzeitig fehlen fast alle Voraussetzungen für internationale Rekrutierung: keine Erfahrung, keine Integrationsstrukturen, keine klare Budgetbereitschaft, keine Kostentransparenz. Das Haus befindet sich in einer Situation, in der sofortige Rekrutierung mehr schaden als nützen würde – nicht weil internationale Fachkräfte ungeeignet wären, sondern weil das Haus sie unter diesen Bedingungen nicht halten kann.

Das heißt nicht, dass Jahre der Untätigkeit folgen müssen. Es heißt: Die nächsten drei Monate gehören dem Fundament, nicht der Rekrutierung. Bestandsaufnahme der offenen Stellen und ihrer tatsächlichen Kosten. Sondierung der Wohnungslage – gibt es Kooperationen, trägereigene Immobilien, Gästewohnungen? Ein erstes Gespräch mit einer seriösen Vermittlungsagentur, die auch bei ungeeigneten Ausgangslagen ehrlich sagt, was zuerst geklärt werden muss. Parallel dazu die inländischen Maßnahmen nicht vernachlässigen: Stellenanzeigen optimieren, Vakanzzeit durch beschleunigte Prozesse senken, Stammpersonal durch konkrete Entlastungsmaßnahmen schützen. Internationale Rekrutierung ist keine Entschuldigung, die inländische Arbeit zu unterlassen.

Was dann im zweiten Halbjahr folgt, ist der strukturelle Aufbau: ein benannter Integrationskoordinator, ein Mentoring-Konzept, eine Sprachförderung, ein klarer Zeitplan. Der erste Vermittlungsvertrag wird erst unterschrieben, wenn diese Bausteine stehen. Häuser, die diesen disziplinierten Aufbau durchhalten, bauen binnen 12 bis 18 Monaten ein funktionierendes System auf – von dem sie zehn Jahre profitieren. Häuser, die unter Druck überhasten, verbrennen Geld und ruinieren ihren Ruf in der internationalen Pflege-Community. Die Wahl ist einfacher, als sie klingt.

Was sollten Sie jetzt tun?

Unabhängig davon, in welcher der vier Ausgangslagen Sie sich wiederfinden, gibt es drei Schritte, die für alle gelten.

Vakanzkosten berechnen. Bevor Sie über Investitionen in Recruiting sprechen, müssen Sie die Kosten des Nicht-Recruitings kennen. Das ist die Zahl, die die interne Diskussion trägt – und die Zahl, die in den meisten Häusern fehlt. Die Formel und ein durchgerechnetes Beispiel finden Sie im Artikel zu den unsichtbaren Kosten leerer Pflegestellen. Ein Nachmittag Arbeit einer Pflegedienstleitung mit einer kaufmännischen Leitung reicht für eine erste belastbare Schätzung. Ohne diese Zahl bleibt jede weitere Diskussion akademisch.

Die eigene Lage nüchtern beurteilen – gemeinsam. Die fünf Dimensionen, die dieser Artikel beschreibt, sind nicht dazu da, dass eine Personalleitung sie im stillen Kämmerlein ausfüllt. Sie sind Gesprächsgrundlage für das Leitungsteam. Wenn Pflegedienstleitung, kaufmännische Leitung und Geschäftsführung jeweils zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen, ist das selbst schon die wichtigste Information: Das interne Alignment fehlt, und darauf aufbauende Projekte haben schlechtere Chancen. Ehrliche, strukturierte Diskussion im Leitungsteam ersetzt keinen Beratungsprozess, aber sie legt das Fundament dafür.

Den richtigen Partner finden – nicht den ersten. Vermittlungsagenturen sind in ihrer Qualität sehr unterschiedlich. Das betrifft nicht nur die Fachlichkeit, sondern vor allem die Ehrlichkeit im Umgang mit kritischen Fragen. Eine gute Agentur wird auch sagen, wenn ein Haus noch nicht bereit ist – und welcher Zeithorizont realistisch wäre. Eine schlechte Agentur verkauft in jeder Situation einen Vertrag. Die sieben Prüffragen für die Agentur-Auswahl helfen dabei, das Feld schnell zu sortieren.

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Häufige Fragen

Ab welcher Größe lohnt sich internationale Rekrutierung überhaupt?

Die Größe des Hauses ist weniger entscheidend als die strukturelle Situation. Ein Träger mit fünf Einrichtungen, die jeweils zwei internationale Fachkräfte aufnehmen, kann wirtschaftlicher rekrutieren als ein einzelnes Großkrankenhaus, das ad hoc drei bis vier Stellen besetzen will. Ausschlaggebend sind die Wiederholbarkeit des Prozesses, das Bestehen von Integrationsstrukturen und das Budget pro Stelle – nicht die absolute Bettenzahl.

Wie lange dauert es von der Entscheidung bis zur Fachkraft auf Station?

Bei belastbarer Vorbereitung acht bis vierzehn Monate. Der Zeitraum umfasst die Kandidatenauswahl im Herkunftsland, den Sprachkurs bis B2, die Visumserteilung, den Anerkennungsantrag, die Einreise und die ersten Wochen der Einarbeitung. Wer diesen Zeitraum nicht einplanen kann oder will, liegt mit internationaler Rekrutierung falsch. Das Beschleunigte Fachkräfteverfahren kann den Gesamtzeitraum auf sechs bis neun Monate verkürzen – schneller geht es nicht seriös.

Welche Herkunftsländer sind für Deutschland aktuell besonders relevant?

Die Philippinen, Indien und Mexiko sind die klassischen Fernländer mit etablierten Rekrutierungswegen. In Europa haben sich in den letzten Jahren Albanien und Serbien als relevante Partner etabliert – kürzere Anreisezeiten, kulturelle Nähe und stabile Bildungssysteme sprechen dafür. Mehr dazu im Artikel über die Rekrutierung in Albanien und Serbien.

Was passiert, wenn eine Fachkraft nach sechs Monaten wieder geht?

Seriöse Vermittlungsverträge enthalten Nachbesetzungsgarantien für den Fall, dass eine Fachkraft in einem bestimmten Zeitraum – üblich sind sechs bis zwölf Monate – das Beschäftigungsverhältnis beendet. Der wichtigere Punkt ist aber ein anderer: Wenn eine Fachkraft geht, liegt das in acht von zehn Fällen am aufnehmenden Haus, nicht an der Fachkraft. Unzureichende Integration, fehlende Wohnungslösung, Konflikte im Stammteam. Die Nachbesetzung löst dann das Symptom, nicht das Problem. Wer zum zweiten Mal Personal verliert, hat ein strukturelles Thema.

Reicht Deutsch auf B1-Niveau für den Pflegeberuf aus?

Für die Anerkennung als Pflegefachkraft verlangen die meisten Bundesländer B2. Für den Start der Beschäftigung als Pflegehilfskraft während der Anerkennungsphase reicht in der Regel B1 – vorausgesetzt, die Einrichtung stellt Sprachförderung für den Weg zu B2 bereit. Häuser, die auf B2 vor der Einreise bestehen, verkleinern den Bewerberpool deutlich. Häuser, die mit B1 starten und Sprachförderung anbieten, haben einen größeren Pool – und signalisieren gleichzeitig, dass sie die Verantwortung für die Integration ernst nehmen.

Was kostet ein erstes Beratungsgespräch?

Bei seriösen Vermittlungsagenturen nichts. Ein Erstgespräch dient dazu, die Lage einzuschätzen und zu klären, ob eine Zusammenarbeit überhaupt sinnvoll ist. Wer dafür Geld verlangt, hat das Kostenmodell nicht verstanden – Agenturen verdienen an der erfolgreichen Vermittlung, nicht an der Beratung. Das kostenlose Erstgespräch ist Branchenstandard und sollte nicht als Entgegenkommen verkauft werden.