Medical professionals from the Philippines

Spricht man über die Migration qualifizierter Fachkräfte, denkt man schnell an persönliche Geschichten: Menschen, die Koffer packen, ein neues Land betreten, eine fremde Sprache lernen. Diese individuellen Wege sind real – und bewegend. Doch hinter ihnen stehen weit größere Strukturen. Staatliche Programme, Behörden, bilaterale Abkommen und nationale Strategien lenken und begleiten diese Migration oft sehr viel stärker, als man auf den ersten Blick vermutet.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche asiatische Länder eigene, hochstrukturierte Systeme aufgebaut, um die Entsendung qualifizierter Arbeitskräfte – insbesondere im Gesundheitswesen – sicherer, fairer und professioneller zu gestalten. Abwanderung soll kein Risiko mehr sein, sondern ein kontrollierter Prozess. Regierungen prüfen Verträge, zertifizieren Arbeitgeber, organisieren Sprachkurse, überwachen Vermittlungsagenturen und greifen ein, wenn ihre Staatsbürger im Ausland benachteiligt werden.

Deutschland spielt dabei eine zunehmend zentrale Rolle. Es ist nicht nur eines der wichtigsten Zielländer für Pflegekräfte und Ärztinnen aus Asien, sondern auch ein bevorzugter Kooperationspartner vieler Herkunftsstaaten. Was früher oft spontane Einzelentscheidungen waren, wird heute immer häufiger staatlich begleitet, geplant und abgesichert.

Ein Blick auf diese Programme zeigt, wie unterschiedlich – und zugleich erstaunlich ähnlich – Staaten in Süd- und Südostasien ihre Bürger auf den Weg nach Deutschland vorbereiten.

Philippinen – Migration als staatlich organisiertes System

Kaum ein Land organisiert Arbeitsmigration so professionell wie die Philippinen. Seit Jahrzehnten ist die Entsendung qualifizierter Arbeitskräfte – insbesondere im Pflegebereich – fester Bestandteil der nationalen Wirtschaftsstrategie. Migration ist hier kein Zufallsprodukt, sondern staatliche Aufgabe.

Über zehn Millionen Filipinos arbeiten im Ausland, rund zehn Prozent der Bevölkerung. Die Rücküberweisungen fließen in Milliardenhöhe in Bildung, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme. Dieses Modell der sogenannten Overseas Filipino Workers hat das Land tiefgreifend geprägt – wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch.

Zentrale Institution ist seit 2022 das Department of Migrant Workers (DMW). Es bündelt Kompetenzen, die zuvor auf mehrere Behörden verteilt waren, darunter die frühere POEA und OWWA. Das DMW überwacht den gesamten Prozess: von der Lizenzierung der Vermittlungsagenturen über die Vertragsprüfung bis zur Betreuung im Zielland.

Wer als Pflegekraft nach Deutschland möchte, kann dies ausschließlich über staatlich akkreditierte Agenturen tun. Jede Stelle wird geprüft, jede Agentur regelmäßig kontrolliert. Innerhalb des DMW übernimmt die Government Placement Branch die direkte Zusammenarbeit mit ausländischen Regierungen. Für Deutschland existiert eine eigene Kategorie: „Germany – Registered Nurses“.

Nach der Auswahl folgen standardisierte Vorbereitungsschritte:

  • strukturierte Deutschkurse bis B2

  • medizinische Untersuchungen

  • kulturelle Orientierung

  • verpflichtende Pre-Departure-Seminare

Ein zentrales Prinzip ist dabei die No-Placement-Fee-Policy: Pflegekräfte dürfen keinerlei Vermittlungsgebühren zahlen. Verstöße führen zum Entzug der Lizenz.

Dieses System wirkt – und wird international als Vorbild betrachtet. Deutsche Kliniken schätzen die fachliche Ausbildung, Sprachkompetenz und Zuverlässigkeit philippinischer Pflegekräfte. Gleichzeitig achtet der Staat darauf, dass Migration kein dauerhafter Verlust wird. Zunehmend setzt man auf zirkuläre Modelle: Arbeiten im Ausland, Rückkehr mit Erfahrung, Wissenstransfer ins heimische Gesundheitssystem.

Migration wird hier nicht als Abwanderung verstanden, sondern als Investition.

Indien – föderale Vielfalt trifft digitale Steuerung

Indien ist kein homogener Staat, sondern ein Kontinent in Landesform. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Organisation von Arbeitsmigration wider. Wo früher Einzelagenturen und Bundesstaaten unabhängig agierten, entsteht heute ein zunehmend digitalisiertes, staatlich überwachtes System.

Zentrale Rolle spielt das Ministry of External Affairs (MEA). Unter seinem Dach agiert der Protector General of Emigrants (PGE), der sämtliche arbeitsbezogenen Ausreisen kontrolliert. Herzstück des Systems ist die digitale Plattform eMigrate. Arbeitgeber, Vermittler und Bewerber müssen sich hier registrieren. Verträge werden geprüft, Gebühren kontrolliert, Prozesse dokumentiert.

Parallel dazu entwickeln einzelne Bundesstaaten eigene Programme. Besonders aktiv ist Kerala, das mit der staatlichen Organisation ODEPC den gesamten Vermittlungsprozess selbst steuert – von Auswahl über Sprachtraining bis zur Platzierung. Ähnliche Modelle existieren in Tamil Nadu mit der OMCL.

Ein weiterer Meilenstein ist NSDC International, eine Tochter der National Skill Development Corporation. Ziel ist es, indische Berufsabschlüsse international anschlussfähig zu machen. Pflegeausbildungen werden angepasst, Sprachmodule integriert, Prüfungsformate standardisiert – explizit auch mit Blick auf Deutschland.

Indien versteht Migration zunehmend als strategisches Instrument: Qualifikation exportieren, Erfahrung importieren. Rückkehrprogramme und „Reverse Migration“-Ansätze sollen langfristig Wissen zurück ins Land bringen.

Migration ist hier kein Kontrollverlust mehr, sondern gesteuerte Mobilität.

Pakistan – der Beginn eines strukturierten Weges

Pakistan steht am Anfang eines ähnlichen Transformationsprozesses. Jahrzehntelang war Arbeitsmigration vor allem privat organisiert, oft informell. Heute entstehen staatliche Strukturen, die gezielt Ordnung und Schutz schaffen sollen.

Zentrale Akteure sind die Overseas Employment Corporation (OEC) und das Bureau of Emigration & Overseas Employment (BEOE). Während das BEOE als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde fungiert, übernimmt die OEC die operative Vermittlung – auch zunehmend nach Europa.

Erstmals erscheinen auf der Plattform der OEC Stellenangebote für Pflegekräfte in Deutschland. Bewerber durchlaufen Prüfungen, Sprachvorbereitung und Dokumentenkontrolle. Keine Ausreise erfolgt ohne offizielle Genehmigung des Protectorate of Emigrants.

Der politische Blick auf Migration hat sich deutlich verändert. Sie gilt nicht mehr nur als Ventil für Arbeitslosigkeit, sondern als Ressource. Gerade im Pflegebereich sollen Fachkräfte im Ausland Erfahrungen sammeln und später zur Stärkung des heimischen Systems beitragen.

Das System ist noch im Aufbau. Doch die Richtung ist klar: weg von informeller Auswanderung, hin zu kontrollierter, fairer Fachkräftemigration.

Indonesien – Erfahrung, Struktur und Schutz

Indonesien zählt zu den erfahrensten Entsendeländern in Südostasien. Millionen Indonesier arbeiten im Ausland. Was das Land besonders macht, ist die konsequente staatliche Begleitung.

Zentrale Institution ist BP2MI, die Behörde zum Schutz indonesischer Arbeitsmigranten. Registrierung ist verpflichtend, Prozesse sind digitalisiert, Auswahlprogramme transparent. Deutschland ist seit einigen Jahren offizielles Zielland in staatlich organisierten Pflegeprogrammen.

Vor der Ausreise absolvieren Pflegekräfte:

  • Deutschkurse (mindestens B1)

  • fachliche Vorbereitung

  • interkulturelles Training

  • praxisnahe Simulationen des Klinikalltags

Auch nach der Ankunft bleibt der Staat präsent. Verträge werden überwacht, Ansprechstellen sind aktiv, Probleme werden aufgegriffen. Migration endet nicht mit dem Flug.

Indonesien verfolgt eine Doppelstrategie: Beschäftigung schaffen – und Schutz garantieren. Dieses Gleichgewicht macht das Modell international anerkannt.

Vietnam – gezielte Partnerschaften und klare Regeln

Vietnam hat in kurzer Zeit ein bemerkenswert strukturiertes System aufgebaut. Verantwortlich sind DOLAB und COLAB, die sämtliche Programme koordinieren. Bewerbungsverfahren sind zentralisiert, Auswahl transparent, Vorbereitung intensiv.

Besonders auffällig ist der ethische Anspruch: keine Vermittlungsgebühren, staatlich kontrollierte Programme, enge Begleitung auch im Zielland. Vorbereitungsphasen dauern bis zu zwölf Monate, inklusive Sprachtraining, Fachmodulen und rechtlicher Orientierung.

Migration wird hier als Partnerschaft verstanden – zwischen Herkunftsland, Zielland und Fachkraft. Rückkehr ist ausdrücklich mitgedacht, Wissenstransfer erwünscht.

Vietnam zeigt, dass staatliche Steuerung kein Hindernis, sondern ein Qualitätsmerkmal sein kann.

Gemeinsame Linien – trotz unterschiedlicher Wege

So unterschiedlich diese Länder sind, einige Prinzipien verbinden sie:

  • Schutz und Fairness durch staatliche Aufsicht

  • Qualifikation und Vorbereitung als Voraussetzung für Migration

  • Transparenz durch digitale Systeme

  • Partnerschaft mit Deutschland statt unkontrollierter Abwanderung

Migration wird zunehmend als gestaltbarer Prozess verstanden – nicht als Zufall, nicht als Marktspiel.

Deutschlands Rolle im neuen Migrationsgefüge

Deutschland steht heute im Zentrum dieser neuen Architektur. Nicht, weil es Fachkräfte „abwirbt“, sondern weil es verlässliche Strukturen bietet: Anerkennungsverfahren, faire Arbeitsbedingungen, langfristige Perspektiven.

Für Herkunftsländer bedeutet das Planungssicherheit. Für Pflegekräfte bedeutet es Schutz. Und für Deutschland bedeutet es qualifizierte, vorbereitete Fachkräfte.

Die Rolle von TalentOrbit

In diesem Umfeld übernehmen spezialisierte Unternehmen wie TalentOrbit International GmbH eine vermittelnde Funktion. Sie verbinden staatliche Programme der Herkunftsländer mit den Anforderungen des deutschen Gesundheitswesens – transparent, regelkonform und strukturiert.

Begleitung bedeutet hier: Sprachvorbereitung, Anerkennung, Visa, Integration. Nicht als Einzelfalllösung, sondern eingebettet in bestehende Systeme.

Migration als Brücke, nicht als Einbahnstraße

Fachkräftemigration ist kein Kontrollverlust. Sie ist eine Brücke – gebaut aus Sprache, Bildung und Vertrauen. Auf ihr gehen Menschen, getragen von Programmen, Abkommen und Verantwortung.

Deutschland ist bereit, diese Brücke zu nutzen. Und gemeinsam mit Partnerländern weiterzubauen.